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Acetat: Veresterungsprodukt aus der Reaktion von Essigsäure, einer Carboxylsäure, mit einem Alkohol. Acetate werden u. a. als Binde- und Festigungsmittel eingesetzt, z. B. Polyvinylacetet, ein thermoplastisches Polymerisationsharz aus Vynilester; letzteres ist ein Veresterungsprodukt aus Essigsäure und Vynilalkohol.

Acrylat: Ester der Acrylsäure, einer ungesättigten organischen, polaren Säure mit einer einzigen Kohlenstoff-Doppelbindung. Acrylate werden als Klebstoffe und Filmbildner (Harz) benutzt. Bei den Polyacrylaten erfolgt die Filmbildung durch Polymerisation.

ArcView: Markenname der Firma ESRI; ein geographisches Informationssystem, das neben der Kartierungsmöglichkeit auch integrierte Datenbankfunktion auf der Grundlage von MS Access, z. B. zur Verknüpfung von Flächen, Linien und Punkten mit Texten und Bildern sowie ausgedehnte Editierungsmöglichkeiten bietet.

Arriccio (italienisch; "Rauhschicht"): Grobputz oder Unterputz, der wiederum aus verschiedenen Putzschichten bestehen kann. Er gleicht Unebenheiten des Wandmalereiträgers (Mauerwerk) aus; als Feuchtigkeitsreservoir verhindert er ein zu rasches Antrocknen der Freskomalerei auf dem Intonaco.

Azurit-Malachit-Problem: Bei Azurit und Malachit handelt es sich um mineralische Pigmente, die aus basischem Kupfercarbonat bestehen. In frisch zubereitetem Zustand vermalt, sind beide durchaus freskotauglich. Bei Anwesenheit von Chlor-Ionen (Säuren; Schadsalze) kommt es zu einer Reaktion der Kupfer-Kationen mit den Chlor-Anionen, sodass sich grünes Kupferchlorid (Paratacamit) bildet. Eine Vergrünung von Azurit kann ferner durch den restauratorischen Einsatz von Ammoniumverbindungen (Bildung von Cu-Tetramin-Komplexen) verursacht werden.

Bittersalz: Auch Epsomit; ein Mineral, es handelt sich um ein Magnesiumsulfat, in dessen Kristallstruktur Wassermoleküle eingelagert sind: MgSO4 * 7 H20. Daneben kann Bittersalz durch einen sulfatischen Angriff auf magnesiumhaltige Baustoffe, z. B. Putze und Mörtel auf Dolomitkalkbasis, entstehen, wenn die Rahmenbedingungen (ausreichende Feuchte und Temperatur) dies zulassen. Durch seine leichte Löslichkeit und seine Volumenvergrößerung bei Kristallisation ist Bittersalz ein hochmobiles, besonders für Wandmalereien gefährliches Schadsalz.

Bozzetto (italienisch): Entwurf in stark verkleinertem Maßstab für eine Skulptur oder ein Gemälde, der die Gesamtanlage (Verteilung von Figuren, Farben, Licht und Schatten) und wesentliche Einzelheiten zeigt - letzteres unterscheidet es vom Concetto, allerdings sind die Übergänge fließend. Da der Bozzetto bisweilen auch dazu diente, dem Auftraggeber einen Eindruck des zu schaffenden Werkes zu vermitteln, können Bozzetti durchaus detailreich ausgeführt sein. Sie dienen als Vorstufe zum Karton.

Capriccio (italienisch: "Laune, Einfall, Grille"): Speziell in der Vedutenmalerei eine Darstellung, bei der existierende Gebäude zusammen mit nicht ausgeführten Entwürfen, oder weit voneinander entfernte existierende Gebäude an einem gemeinsamen Ort, oder aber nicht ausgeführte Entwürfe in einer existierenden Umgebung (Stadt, Landschaft) gezeigt werden; die Darstellung ist dabei illusionistisch gehalten, sodass der Betrachter einer Täuschung erliegt und den Eindruck bekommt, hier eine Situation zu sehen, die er in der Wirklichkeit nicht vorfinden kann.

Concetto (italienisch): In dem frühen Entwurfsstadium für ein Kunstwerk (Malerei, Skulptur) wird die Gesamtanlage des Werkes (z. B. Platzierung der Figuren im Raum; Gewichtung von Licht und Schatten) in Skizzen entwickelt, die Details bewusst vernachlässigen. Der Concetto ist eine wesentliche Hilfe für den Künstler, auch in späteren Entwurfsstadien (bei Formulierung von Einzelheiten), die Geschlossenheit des Werkes zu wahren. Dagegen verkörpert der Bozzetto ein späteres Entwurfsstadium, in dem die Gesamtanlage bereits feststeht.

Di sotto in su (italienisch: "von unten nach oben"): In der Malerei die Darstellung von Körpern und Gegenständen in steiler Untersicht. Dies führt zu extremen perspektivischen Verkürzungen, die an den Maler besondere Anforderungen stellen. Besondere Bedeutung besitzt das "sotto in su" für die barocke Deckenmalerei, da der Betrachter so die Darstellung illusionistisch über sich schweben sieht.

Dokumentation: Allgemein das Erstellen von Unterlagen, die möglichst genau den Vor- und Ablauf einer Maßnahme beschreiben, wobei die Informationen nicht nur erfasst, sondern auch geordnet und aufgeschlossen werden. Restauratorische Eingriffe gliedern sich im Idealfalle in Voruntersuchungen, Maßnahmen und Nachbereitung. Jeder Schritt baut auf dem vorhergehenden auf und muss in seinem Verlauf rekonstruierbar und in seinen Ergebnis jederzeit abrufbar sein. Dies ist durch die Dokumentation möglich. Dabei verknüpft die Dokumentation verschiedene Informationseinheiten (z. B. Bilder, Texte, Tabellen, Videos, Tonaufnahmen) zu sinnvollen Einheiten. Die Regeln, nach denen die Informationen verknüpft werden, werden durch das Dokumentationssystem festgelegt. Darüber hinaus gewährleistet die Dokumentation die externe Überprüfbarkeit der Maßnahmen und deren wissenschaftliche Objektivität. Sie ist ferner eine wichtige Grundlage für spätere Restaurierungen.

Dolomitkalk: Als Dolomit wird ein Kalkstein (Calciumcarbonat) mit bedeutenden Anteilen von Magnesit (Magnesiumcarbonat) bezeichnet. Wird Dolomit gebrannt, enthält der Branntkalk neben Calciumoxid auch Magnesia (MgO). Durch Ablöschen entsteht Calciumhydroxid und theoretisch auch Magnesiumhydroxid. Dolomitische Kalke finden sich unter anderem am Alpenrand und im fränkischen Jura, sodass sie vor allem in Süddeutschland als historische Baustoffe anzutreffen sind.

Fresko (italienisch: "al fresco" = auf dem frischen, feuchten Putz): Eine Technik der Wandmalerei, bei der nicht gebundene, mit Flüssigkeit (Wasser; Kalksinterwasser) aufgeschwemmte kalk- und lichtechte Pigmente auf einen feuchten, möglichst glatten Kalkputz aufgetragen werden. Während des Abbindeprozesses des Kalkes werden die Farben kalzitisch gebunden. Der Träger einer freskalen Malschicht ist mehrschichtig aufgebaut: Mauer/Wand, Arriccio, und Intonaco. Jede dieser drei Hauptschichten kann wiederum aus mehreren Schichten bestehen.

Giornat (italienisch: "Tagwerk"): ") Bei der Freskotechnik kann der Intonaco nur in feuchtem Zustand bemalt werden; es können also bei größeren Fresken nur so große Teilflächen verputzt werden, wie ein Maler ohne zu große Unterbrechung bemalen kann. Die Grenzen zwischen den Teilflächen werden zwar sorgfältig geglättet, zeigen aber im Streiflicht und aus der Nähe eine andere Oberflächenstruktur (Giornatgrenze). Allerdings müssen Giornate nicht mit der Leistung eines Arbeitstages identisch sein: Der Maler kann mehrere Giornate an einem einzigen Tag bemalen, oder er kann einen Abschnitt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bemalen, wenn der Putz entsprechend feucht gehalten wird. Vgl. Pontata.

Gipsglätte: Einschichtiger Putz aus Gips (CaSO4 * 2 H2O), die nur im Innenbereich, entweder auf bereits abgebundene Unterputzschichten oder auf das Mauerwerk selbst (z. B. Ziegel) aufgebracht wird. Charakteristisch ist eine völlig glatte, kornlose und glänzende Oberfläche. Um diese zu erreichen, müssen zahlreiche Arbeitsgänge von Hand ausgeführt werden. Die wichtigsten sind: Das Glätten mit der Glättkelle, danach das Waschen (Befeuchten der Oberfläche und Aufwaschen mit dem Schwammbrett) und das Nachglätten.

GIS (Geographisches InformationsSystem): Eine Software, die dazu dient, geographische, also zweidimensionale Information (Flächen, Linien, Punkte), zu erfassen bzw. zu manipulieren. Innerhalb der Dokumentation von Restaurierungsmaßnahmen können mit dieser Software Bestands- und Maßnahmenkartierungen erstellt werden.

Gravur: Innerhalb der Graphik bezeichnet "Gravur" das Bearbeiten der Druckplatte mit dem Grabstichel. Bei der Freskotechnik spricht man dann von Gravur, wenn der feuchte Intonaco direkt mit einem spitzen, harten Gegenstand (auch Pinselstil) bearbeitet wird. Bei der (Karton-)Ritzung dagegen wird die Putzoberfläche nicht verletzt, sondern der elastische feuchte Putz etwas eingedrückt.

Immunin (Polyvinylacetat): Wurde 1947/48 zur Fixierung loser Malschichten empfohlen. Aktuelle chemische Analysen des Doerner-Instituts (2002) erbrachten allerdings keinen Nachweis von Immunin.

Infrarot-Spektroskopie: Zahlreiche Substanzen absorbieren IR-Strahlen und geben die absorbierte Energie in Form von Schwingungen und Rotationen der Moleküle oder Atome ab. Dadurch verliert ein IR-Strahl, der eine Probe dieser Substanz durchdringt (Transmission), an Intensität (Extinktion). Die meßbaren Extinktionsraten für die Strahlen verschiedener Wellenlänge werden von einem Analysator in eine entsprechende Graphik, das Absorptionsspektrum, übersetzt. Das Absorptionsspektrum erlaubt weitgehende Aussagen über Charakter und Konzentration der untersuchten Probe. Da die Probe in jedem Aggregatzustand untersucht und eine Vielzahl von Stoffen analysiert werden kann, ist die IR-Spektroskopie eine der wichtigsten naturwissenschaftlichen Instrumente der Restaurierung.

Intonaco (italienisch: "Putz"): Feinputz, der auf den Arriccio aufgebracht wird und "al fresco", also in feuchtem Zustand mit kalkechten, nicht gebundenen Pigmenten bemalt wird. Die Bindung der Pigmente wird durch die kalzitische Bindung während des gleichmäßigen und langsamen Trocknens des Intonaco bewirkt.

Kalksinterwasser: Suspension aus Calciumhydroxid (gelöschter Kalk, Sumpfkalk) in Wasser, die allerdings sehr instabil ist, d. h., Dispersionsmittel und disperse Phase neigen zu rascher Trennung: Der Kalk setzt sich unten ab. Kalksinterwasser wird benutzt, um Freskofarben zum Auftrag vorzubereiten, ferner als Festigungsmittel bei Fresken. Als solches hat Kalksinterwasser den Vorteil, die freskale Malschicht nicht mit Fremdstoffen oder Filmbildung zu belasten. Nachteilig ist der hohe Wassereintrag, der bei Anwesenheit von mobilen Schadsalzen zur Zerstörung der Malschicht beitragen kann. Darüber hinaus kann ein Kalksinterwasser zur optischen Beeinträchtigung der Oberfläche führen (Schleier).

Kalzitische Bindung: Bei der Freskotechnik besteht das Malmittel lediglich aus dem Farbmittel (Pigmente oder Farbstoffe) und einem flüchtigen Aufschwemmmittel (z. B. Wasser); ein Bindemittel fehlt. Das Malmittel wird vielmehr auf den noch feuchten Intonaco, einem glatten Kalkputz, aufgetragen. Durch ein langsames und gleichmäßiges Abbinden des Putzes bildet sich aus dem Calciumhydroxid des Putzes und dem natürlichen Kohlendioxid der Luft Calciumcarbonat; dieses sorgt nicht nur für eine Verfestigung des Putzes, sondern bindet die Pigmentpartikel fest in die Putzoberfläche ein.

Karton: Vorzeichnung der Konturen auf Grundlage des Bozzetto im Maßstab 1:1 auf kräftigem Papier, die durch Ritzung oder das Spolvero-Verfahren auf den feuchten Intonaco übertragen wird. Dabei wurde der Karton häufig mit kleinen Nägeln im Intonaco befestigt; die Nagellöcher haben sich bisweilen erhalten. Dadurch, dass der Karton auf dem Gerüst benutzt und mit dem feuchten Putz in Berührung kam, haben sich Kartons recht selten erhalten.

Klucel: Ein polymerischer Celluloseether: Hydropropylcellulose. Aufgrund seiner Polarität ist es gut in Wasser bzw. Alkoholen (z. B. Ethanol) löslich. Innerhalb der Restaurierung wird Klucel als Festigungsmittel verwendet; es ist transparent, neigt kaum zu Oberflächenspannungen und ist relativ resistent gegen mikrobiellen Befall. Ferner ist es alterungsbeständiger als andere Cellulosederivate, z. B. Methylcellulose (Tylose). Klucel wird in unterschiedlichen Viskositäten benutzt (Klucel E = niedrigviskos, Klucel G = mittelviskos).

KSE: Abkürzung für Kieselsäureester; Veresterungsprodukt aus Kieselsäure und einem Alkohol (z. B. Ethanol: Kieselsäure-Ethylester). KSE dient vor allem zur Steinfestigung. Bei Einbringen von KSE reagiert der Ester mit H2O auf der Porenwand, wobei Kieselsäure und Ethanol entsteht. Letzteres verflüchtigt sich, während die Kieselsäure polymerisiert (Entstehung von Kieselsäuresol bzw. -gel). Es kommt also zu einer silikatischen Festigung der mürben Struktur. Auch auf Kalkputzoberflächen kann KSE angewendet werden, wobei aber die ursprüngliche kalzitische Bindung durch eine fremdartige silikatische Bindung ergänzt wird, was durchaus problematisch ist: So ergeben sich z. B. bei zu starker Dosierung Änderungen der Oberflächenstruktur (Verfälschung des Brechungsindex).

Lasur: Malschicht, die durch das Verhältnis zwischen Pigment und Dispersions- bzw. Lösungsmittel oder Bindemittel transparent bleibt, sodass darunterliegende Malschichten mit ihren Farbnuancen durchscheinen. Durch Lasuren werden fließende Übergänge zwischen Tönen erreicht, ferner optische Tiefe der Malschicht und koloristische Effekte. Das Gegenteil stellt eine deckende Malschicht dar.

Marmorino: Eine Technik, die zwischen Stuckmarmor und Stuccolustro steht.Auf der Grundlage von Sumpfkalk und Marmormehl wird ein Freskoputz hergestellt und auf den Träger aufgebracht. Darüber folgt nun eine dünne weitere Putzschicht aus Sumpfkalk und feinstem Marmormehl, in die Pigmente bereits eingerührt werden. Diese Schicht wird vor dem Abbinden mit einem Schwamm und mit Pigmenten versetzter Essigsäure behandelt. Dadurch entsteht eine freskoartige Wirkung. Abschließend wird mit dem Pinsel eine Kernseifenlauge aufgebracht und nach deren Trocknen die Oberfläche glänzend poliert.

Muldengewölbe: Wölbform auf polygonalem (z. B. rechteckigem) Grundriss, wobei von jeder Seite des Polygons gekrümmte Wölbungsflächen aufsteigen, die sich in einem Scheitel treffen und sich an den Eckpunkten durchdringen, sodass die charakteristischen Grate entstehen. Ein Muldengewölbe über einem in zwei Achsen symmetrischen Polygon (z. B. Achteck) wird als Klostergewölbe bezeichnet; es entsteht hierbei keine Scheitellinie, sondern ein Scheitelpunkt. Die Krümmung der Wölbung kann unterschiedlich sein und ist in der Regel korbbogig. Beim Treppenhaus der Würzburger Residenz liegt jedoch eine exakt elliptische Krümmung vor.

Paraloid: Ein synthetisches, thermoplastisches Polymerisationsharz: Poly-Ethylmethacrylat. Paraloid wurde in den 30er Jahren des 20. Jh. in der Druckindustrie als Fixiermittel für hochwertige Farbdrucke entwickelt; es gilt als sehr alterungsbeständig. Seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jh. ist es als Festigungsmittel bei Restaurierungen nachweisbar und wurde vor allem in Osteuropa - aber nicht nur dort - häufig eingesetzt.

Pigmente: Als Pigmente bezeichnet man Farbmittel, die nicht löslich sind, sondern aus mehr oder weniger großen festen Partikeln bestehen. Sie bilden also keine Lösungen, sondern Suspensionen. In der Regel handelt es sich bei Pigmenten um Minerale, z. B. Ultramarin (Lapislazuli, Lasurit), Malachit, Azurit, Zinnober, Hämatit oder um Erden (rote und gelbe Ocker, Grünerde). Nicht allein die Kristallstruktur, die beteiligten chemischen Elemente und die Dichte der Partikel in der Suspension, sondern auch die Partikelgröße (Relation Oberfläche-Volumen, die die optischen Eigenschaften beeinflusst) ist eintscheidend für die farbliche Wirkung eines Pigment.

Pontata (italienisch: "Brückenabschnitt"): Bei Ausführung von großformatigen Wandfresken werden Gerüste mit mehreren Stockwerken benutzt. Dabei wird von oben nach unten gearbeitet, sodass nach Vollendung der oberen Abschnitte das Gerüst entsprechend abgebaut werden und eine Beschädigung dieser Abschnitte durch die weiteren Arbeiten vermieden werden kann. Dadurch ergibt sich zugleich eine gewisse horizontale Abteilung der einzelnen Giornate, die Pontata genannt wird.

Quadratura: Eine Technik der Wandmalerei, bei der ein Entwurf (z. B. ein Bozzetto) durch eine Rasterung gegliedert und danach auf eine größere ebene oder gekrümmte Fläche (Gewölbe) übertragen wird. Die Rasterung des Bozzetto wird dabei auf der zu bemalenden Fläche vorgezeichnet, mit derselben Anzahl und denselben Proportionen der Teilflächen; anhand des Bozzetto weiß der ausführende Maler, in welche Raster welche Motive bzw. Partien gehören und wie groß sie im Verhältnis zu den Kanten der Teilflächen sind. Damit ist eine effektive Übertragung auf die Originalfläche auch bei schwierigen maßstäblichen Verhältnissen möglich. Eine besondere Rolle spielt diese Technik für die illusionistische Architekturmalerei, die deshalb auch als Quadraturmalerei bezeichnet wird.

Quadro riportato (italienisch: "vorgetragenes Bild"): Ein Wand- oder Deckenbild, das in einem Stuckrahmen präsentiert wird, bisweilen auch von Assistenzfiguren getragen wird. Obgleich fester Bestandteil der Raumdekoration, entsteht der Eindruck eines gerahmten, transportablen und damit von der Wand autonomen Bildes. Ähnliche Tendenzen zeigen z. B. Draperien aus Stuck, also Ausstattungsstücke, mittels derer eine ephemere Festdekoration fingiert wird.

Rasterung: Einteilung einer Fläche in regelmäßige, exakt gleichgroße Teilflächen, meist Quadrate. Die Identifizierung der Teilflächen erfolgt über Koordinaten, d. h. die Ordinate wird in einer Richtung z. B. mit lateinischen Buchstaben, die Abszisse in einer Richtung z. B. mit Zahlen versehen. Durch die Position relativ zu beiden Achsen kann jede Teilfläche identifiziert werden. Eine Rasterung dient häufig dazu, schwierig zu übersehende Flächen zu verwalten und die Flächen maßstabsgerecht zu projizieren.

Ritzung: Ähnlich wie Spolvero eine Technik, um die Kartonzeichnung auf den zu bemalenden Putz zu übertragen. Dabei werden die Linien auf dem an den Putz gehaltenen Karton mit einem Stäbchen oder dem Pinselrücken mit sanftem Druck nachgefahren, so dass der Kontur sich in feuchten, elastischen Putz eindrückt. Diese Ritzlinien bleiben beim Abbinden des Putzes erhalten und sind in Streiflicht sichtbar.

Röntgendiffraktometrie (XRD): Diese Methode beruht darauf, daß ein elektromagnetischer Strahl hoher Energie (Röntgenstrahl), der auf ein Kristallgitter trifft, in der Regel gebeugt (d. h. abgelenkt) wird. Die Beugung ist von der Energie des Strahls, dem Einfallswinkel und der Architektur des Kristalls abhängig. Für jeden Winkel zwischen 0° und 360° erhält man bei konstanter Energie und konstantem Gitter ein Beugungsspektrum, über das man die Gitterarchitektur und damit den Stoff eindeutig charakterisieren kann. Daneben sind halbquantitative Analysen möglich.

Scagliola: Die Scagliola-Technik ist eng mit der Pietra Dura-Technik verwandt. In beiden Fällen wird das Rohmaterial zu passgenauen, dünnen Platten verarbeitet, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Färbungen Muster oder sogar figürliche Darstellungen ergeben. Im Gegensatz zu musivischen Arbeiten entsteht eine extrem feine Stoßfuge, die nur über den Farbwechsel der angrenzenden Platten wahrnehmbar ist. Während in der Pietra Dura-Technik aber farbenintensive, natürliche Halbedelsteine Verwendung finden, arbeitet die Scagliola-Technik mit gefärbtem, künstlich hergestellten Stuckmarmor. Das hat den Vorteil, die Farbtöne bei Bedarf bestimmen zu können. Die Stuckmarmore erreichen jedoch nicht die Farbtiefe und -intensität eines natürlichen Halbedelsteines.

Sfumato (italienisch: "Verdunstung"; fumo = "Rauch"): Optisches Phänomen, das die Verblauung und die unscharfen Konturen weit entfernter Gegenstände beschreibt. In der Malerei wurde das Sfumato seit etwa 1500, z. B. von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Joachim Patinier als Stilmittel eingesetzt, um dem Bildraum Weite und Atmosphäre zu verleihen. Das Phänomen selbst war bereits früher bekannt.

Sinopie: (griech.-italienisch nach der Stadt Sinope an der kleinasiatischen Schwarzmeerküste; von dort gelangte rote Erde als Pigment nach Europa). Vorzeichnung der Konturen, meist mit einem roten Erdpigment al fresco auf dem Arriccio ausgeführt. Sie wurde durch den Intonaco überdeckt und ist somit bei intakten Wandmalereien nicht sichtbar, gelangt aber z. B. durch Abnahme der Malerei (distacco-Verfahren) zum Vorschein. Ein Vergleich zwischen Sinopie und ausgeführter Wandmalerei kann Aufschluss über Änderungen und den Entstehungsprozess geben.

Spolvero: Spezielle Technik, um die Konturenzeichnung des Karton auf die zu bemalende, feuchte Putzoberfläche des Intonaco zu übertragen. Zunächst werden die Linien auf dem Karton durchstochen (z. B. mit einem Zahnrädchen), der Karton dann auf die Putzoberfläche gehalten und die Linien mit feiner Kohle bestäubt. Einige Kohlepartikel gelangen durch die Öffnungen auf den feuchten Putz, wo sie haften bleiben. Der Kontur erscheint so als gepunktete Linie auf dem Putz nach Wegnahme des Karton.

Stuccofinto (italienisch: "vorgetäuschter Stuck"): Durch Malerei vorgetäuschte Stuckornamente. Dabei werden die Schattierungen, z. T. entsprechend der tatsächlichen Einfallsrichtung des Lichtes durch die Fenster, so geschickt gesetzt, dass die plastische Wirkung von modelliertem Stuck entsteht.

Syton: Syton ist eine Kieselsäuredispersion, die in der Restaurierung als Festigungsmittel eingesetzt wird. Syton X 30 ist eine 30%ige Dispersion mit geringer Partikelgröße, bei Syton W 30 sind die Partikel erheblich größer. Die silikatische Festigung ist sehr alterungsbeständig und eignet sich daher für abschließende Maßnahmen mit hohem Langzeitwert. Allerdings kann die Verwendung zu optischen Änderungen der Oberflächenstruktur führen (Veränderung des Brechungsindex).

Tylose: Sammelbegriff für Celluloseether. Tylose MH ist eine Methyl-Hydroxiethyl-Cellulose, die in unterschiedlichen Viskositäten verwendet wird. Tylose C ist eine Carbonoxyl-Methylcellulose. Tylose ist ein Festigungsmittel, das nur schwach filmbildend und damit praktisch oberflächenspannungsfrei ist. Es ist nicht sehr alterungsbeständig und damit als Festigungsmittel für vorläufige Maßnahmen (z. B. Notsicherungen) geeignet.

Wandmalerei: Oberbegriff für verschiedene Malereitechniken auf einem immobilen Träger, meist Mauerwerk, aber z. B. auch eine Fachwerkwand. Das Malmittel wird stets auf die verputzte Mauer bzw. Wand aufgetragen; wird der Putz vor dem Abbinden in feuchtem Zustand ohne Bindemittel bemalt, spricht man von Freskomalerei; bei der "Secco"-Technik wird auf den abgebundene Putz ein Malmittel, bestehend aus Farbmittel, Bindemittel und Lösungsmittel bzw. Dispersionsmittel aufgetragen. Darüber hinaus spricht man ungenauerweise von "Kalkmalerei", wenn ein bereits abgebundener Putz geschlämmt wird und die ungebundenen Farbmittel auf die feuchte Schlämme aufgebracht werden.


   

             
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