Restaurierung & Sanierung 2012-2018

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

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Bauliche Sanierung

Planungen

Um gleichbleibende klimatische Verhältnisse zu schaffen, ist die Ertüchtigung der Gebäudehülle eine der wichtigsten Aufgaben der Sanierung des Opernhauses und trägt gleichzeitig dazu bei, dauerhaft die historische Konstruktion und die erhaltene Illusionsmalerei der Raumschale zu schützen. In diesem Zusammenhang werden Decken gedämmt, Fenster saniert und an den Außenwänden eine Wandtemperierung eingebracht. Neue Materialien und Gestaltungselemente wie Bodenbeläge, Bestuhlung und Beleuchtung stehen im Kontext zum historischen Zuschauerraum und werden den modernen Anforderungen einer Oper gerecht. Es werden zukünftig mehr Sitzplätze im Parkett vorgesehen. Großer Wert wird auf verbesserte Sichtlinien und Sitzkomfort gelegt. Die Sitzplätze in den Logen werden jeweils auf die vordere Stuhlreihe reduziert. Dahinter werden Stehhilfen eingebaut, die auch zum Schutz der originalen Farbfassungen der Logenrückwände dienen. Auch die Garderobenbereiche der Künstler und Besucher sowie die Toiletten werden neu gestaltet.

Tragwerksplanung

Wesentliche Aufgabe der Tragwerksplanung ist die Vergrößerung der Bühnenöffnung in der Brandwand zwischen Zuschauerraum und Bühnenhaus von HxB = 7,7 m x 10,7 m auf die originale Größe von HxB = 10,7 m x 13,7 m. In der Stahlbetonwand, die 1935 eingebaut wurde, müssen wesentliche tragende Teile entfernt werden. Stattdessen werden stählerne Abfangträger und Stützen eingebaut.

Weitere Abfangungen und Verstärkungen sind in der Dachkonstruktion und im Bühnenhaus erforderlich. Ein unterirdischer Sprinklerbehälter wird hinter dem Bühnenhaus eingebaut.

Kleinere Reparaturen an der Konstruktion des originalen hölzernen Dachstuhles sind notwendig. Die Foyerwand muss statisch saniert werden.

Plan Bühnenöffnung, Foto Dachkonstruktion

Brandschutzplanung

Fluchttreppen, Notausgänge und Brandwände werden entsprechend den heutigen Sicherheitsvorschriften denkmalverträglich ertüchtigt. Zum Schutz von Personen und historischer Substanz vor Brand werden umfangreiche Früherkennungs- und Löschanlagen vorgesehen. Im Dachraum wird eine Hochdrucknebel-Löschtechnik eingesetzt. Durch die Vernebelung wird eine schnelle Brandlöschung mit minimaler Wasserbeaufschlagung zur Vermeidung von Folgeschäden erreicht.

Gebäudetechnik

Die Schaffung eines stabilen Raumklimas zur Erhaltung der historischen Substanz, auch bei vollem Haus mit 600 (es werden ja immer mehr!) Zuschauern, stellt eine besondere Herausforderung an die Gebäudetechnik im Opernhaus dar. Die Konzeption der Technik erfolgte auf Basis einer dreidimensionalen Klimasimulation im Zuschauerraum. Hierbei wurden ca. 16 Mio. virtuelle Klimapunkte zu Temperatur, Feuchte und Störung generiert um die Zustände an jeder Stelle im Raum zu bewerten. Die zum Betrieb der technischen Anlagen erforderliche Wärme und Kälte wird vorwiegend regenerativ aus dem angrenzenden Mühlkanal entnommen.

Grafik Simulation Relative Luftfeuchte

Raumklimatisierung

Im Parkettbereich wird ein neuartiger Druckluftboden eingesetzt, der mit ca. 1.5 Mio. Löchern die Luft nach dem Prinzip der Quelllüftung gleichmäßig, langsam und ohne Zugerscheinungen und störende Geräusche in den Zuschauerraum strömen lässt, um das Raumklima zu stabilisieren. Die konditionierte Luft wird nicht nur über die gelochten Holzdielen im Parkett, sondern auch über die textilen Seitenwände unter den Parkettbalkonen und über Luftauslässe in der Bühnenvorderseite eingeblasen.

Räumliches Konzept

Die seit 1936 zum „Guckkasten“ verkleinerte Bühnenöffnung stört die Raumeinheit von Bühnen- und Logenhaus als „einheitlichem Festraum“. Für den historischen Raumeindruck ist daher die Vergrößerung des Bühnenportals auf die ursprüngliche Größe und die Entfernung neuerer Einbauten notwendig.

Bühnenplanung

Da die fast raumhohe, historische Bühnenöffnung wieder hergestellt wird, muss der vorhandene durch einen zweiteiligen Eisernen Vorhang ersetzt werden. Um kleinere Veranstaltungen vor dem geschlossenen Eisernen Vorhang zu ermöglichen, wird ein mobiles Podestsystem eingesetzt. Dadurch kann sowohl die Bühne durch eine Proszeniumsbühne nach vorne erweitert werden, als auch der Zuschauerraum vergrößert werden. Bei kompletter Demontage der Podeste entsteht ein vergrößerter Orchestergraben.

Auf der Bühne wird die Portalanlage komplett erneuert. Der Portalsteg sowie die seitlichen Beleuchtungstürme werden verfahrbar ausgeführt, so dass die Portalöffnung für Gastspiele eingerichtet werden kann. Die Handzüge werden zur Hälfte durch Maschinenzüge ersetzt.

Der Schnürboden bleibt erhalten, muss aber aufgrund der neuen Seilführung der Bühnenzüge den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Auf dem Schnürboden werden im Portalbereich die Antriebe für den eisernen Vorhang, für den Hauptvorhang und die Portalbrücke aufgestellt. Sämtliche anderen elektrischen Antriebe werden an die Seitenwand verlagert.

Der Bühnenboden muss komplett erneuert werden. Für Gastspiele und Konzerte wird ein neutral gehaltener Bühnenaushang, bestehend aus Seitenschals, Soffitten und Schlussvorhang vorgehalten.

Die vorhandene Bühnenbeleuchtung wird erweitert und teilweise erneuert. Die Halogenscheinwerfer im Saal werden überwiegend durch LED-Scheinwerfer mit geringerer Abwärme ersetzt. Zudem sind eine Beschallungsanlage, eine Mithör- und Kommandoanlage sowie eine Leitungsnetz für Videotechnik vorgesehen.

Für die museale Präsentation wird ein vollständiges barockes Bühnenbild nach einem Entwurf von Carlo Galli Bibiena nachgebaut. Vorlagen für Bühnenbilder für das Bayreuther Opernhaus finden sich im Kupferstiche in einem „Musterbuch“ Carlo Galli Bibienas. Die Nachbildung der historischen Kulissen durch Zerlegung der Stichvorlage in die verschiedenen Kulissenebenen.

Es wird eine flexible Bespielbarkeit der Bühne für moderne und historische Aufführungspraxis angestrebt. Sogar eine künftige Simulation barocker Bühnentechnik wird mit der modernen Bühnentechnik möglich sein.