Restaurierung & Sanierung 2012-2018

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

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Restaurierung des Logenhauses

Restaurierungskonzept

Das Ziel der geplanten Maßnahmen ist die Erhaltung und dauerhafte Pflege des einzigartigen Festraumes mit seiner illusionistischen Malerei von 1748 unter maßgebender Berücksichtigung seiner 260jährigen Geschichte.

Die restauratorischen Untersuchungen und die Bearbeitung großer Musterflächen haben gezeigt, dass die Erhaltung der Malerei ohne die Abnahme der Übermalungen von 1936 aus konservatorischen Gründen nicht möglich ist. Hinzu kommt die gesicherte Kenntnis, dass große Flächen der Malerei von 1748 unter den groben Überarbeitungen gut erhalten sind. Mit der Abnahme der Überarbeitungen werden sich die Plastizität der gemalten Architekturillusion und der ursprünglich freundliche, helle Raumeindruck wieder deutlich entfalten. Der Charakter des Logenhauses wird in erster Linie durch die künstlerische Qualität, aber auch die Spuren der Theatergeschichte geprägt. Unter sorgfältiger Abwägung dieser beiden Aspekte kann mit zurückhaltender Retusche ein gepflegter, vollständiger Raumeindruck zurück gewonnen werden.

Der restauratorische Aufwand beträgt in etwa 70.000 Arbeitsstunden. Dafür wird im Rahmen der vorgeschriebenen EU-weiten Ausschreibung eine Restauratorengruppe aus den Fachbereichen Gemälde-, Skulpturen- und Möbelrestaurierung zusammengestellt.

Restauratorische Untersuchungen

Die Befunde zeigen, dass das Logenhaus 1748 ein hell bemalter, glanzvoller Raum war. Die ursprüngliche Farbigkeit ist an den Rückwänden der Trompeterlogen und an der rahmenden Malerei des Deckengemäldes noch heute weit gehend ablesbar, jedoch durch Ablagerungen von Holzschutzmitteln gedunkelt. In großem Umfang sind gealterte, nahezu unveränderte Malereioberflächen unter späteren Übermalungen vorhanden. Neben den architektonischen Veränderungen am Bühnenportal erfolgten bei der Restaurierung 1936 auch großflächige dunkelgrüne Übermalungen an den Rahmen und Profilen der ursprünglich hellgrünen Architekturgliederung. Ausbrüche in der illusionistischen Malerei wurden mit großflächigen Übermalungen geschlossen. 1979/80 waren erneut Konservierungsmaßnahmen zur Erhaltung gelockerter Malerei erforderlich.

Schäden

Der düstere Eindruck des Logenhauses ist auf die Übermalungen von 1936, den massiven Auftrag ölhaltiger Holzschutzmittel in den 1950er Jahren, sowie auf erhebliche Verschmutzungen dar Malereioberflächen zurückzuführen. Schäden an der Malerei entstanden durch starke Schwankungen der Luftfeuchtigkeit im Zusammenhang mit Fehlfunktionen der derzeit eingebauten Klimaanlage. Die Trocknung der Raumluft führte insbesondere an den übermalten und damit sehr dicken Malereipaketen an vielen Flächen zur Trennung der Malerei von ihrem Bildträger.

Eckpunkte der Veränderungsgeschichte des Logenhauses

Das Markgräfliche Opernhaus wurde in den Jahren 1746 bis 1748 nach Entwürfen der Architekten Joseph St. Pierre, sowie Giuseppe und Carlo Galli-Bibiena (Innenarchitektur) erbaut. Auftraggeber war das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth. Der imposante Sandsteinbau beherbergt ein aus Holz konstruiertes, teilweise mit Leinwand bespanntes und vollständig bemaltes Logenhaus. Planung und Ausführung standen unter der Leitung von Giuseppe und Carlo Galli-Bibiena. Sie ließen die Logenaufbauten in reiner Zimmermannstechnik aus gebeilten Balken, Pfeilern und Brettern errichten. Die Proszeniums- und Trompeterlogen sind dagegen in sauberer Kistlerarbeit gefertigt. Prominente Flächen wie die Wände der Fürstenloge und des ersten Ranges wurden vor der Bemalung ebenso mit Leinwand bespannt, wie die gesamte Deckenfläche. Erst die Bemalung führte zur Illusion eines reich geschmückten Logenhauses mit scheinbar aufwändig gearbeiteter Architektur und Ornamentik in Verbindung mit geschnitztem Blattwerk und gefassten Holzbildwerken über der Fürstenloge und dem Bühnenbogen, sowie als Bekrönung der Trompeterlogen. Die Kombination von einfacher Zimmermannsarbeit mit gekonnter Bildhauerei und souverän ausgeführter Theatermalerei ergab den phantastischen Raumeindruck der bis heute erhalten, jedoch auf Grund von Überarbeitungen im 20. Jahrhundert stark gestört und gefährdet ist.

Abgesehen von kleineren Reparaturen aus dem Theater- und Festbetrieb des 18. und 19. Jahrhunderts erfolgte erst 1936 die erste umfassende Sanierung des Opernhauses u. a. mit dem Einbau des eisernen Vorhangs als Brandschutzmaßnahme, verbunden mit einer wesentlichen Verkleinerung der Bühnenöffnung. Im Logenhaus wurde dabei die Proszeniumsbühne zurückgebaut, eine Treppenanlage zur Bühne und eine neue Balustrade am Orchestergraben errichtet. Dabei wurde das gesamte Bossenmauerwerk im Parkett übermalt. Weitere Übermalungen erstrecken sich über das gesamte Logenhaus und betreffen in erster Linie die monochrome Grünfarbigkeit der Architekturgliederung, greifen zum Teil aber auch erheblich in die illusionistische Malerei von Profilen, Ornamenten und figürlichen Darstellungen ein. Die dick aufgetragenen Kaseinübermalungen führen im Zusammenhang mit Schwankungen der relativen Feuchte zu Lockerungen des Malschichtaufbaus und reißen dabei die darunterliegende Temperamalerei des 18. Jahrhunderts mit sich. Etwa 40% der Oberflächen sind überwiegend grobschlächtig übermalt. Das Farbmittel von 1936 hat sich zudem deutlich verdunkelt.

In den 1960er Jahren wurden umfassende Maßnahmen zur Holzschädlingsbekämpfung durchgeführt. Verwendet wurden große Mengen öliger Holzschutzmittel (Xylamon BN hell) mit den Giftstoffen PCP und Lindan. Die Produkte wurden über tausende von Bohrlöchern, überwiegend im Dachstuhl, aber auch an Ornamenten und Bildwerken im Logenhaus in die Hölzer eingebracht. Darüber hinaus kam ein Sprühverfahren zur Anwendung, womit auch alle bemalten Flächen des Logenhauses mit Holzschutzmittel benetzt und penetriert wurden. Die öligen Bestandteile des Trägermittels sind zum Teil an der Oberfläche getrocknet und mit ihrer Alterung gedunkelt. Daher bedeckt ein grau-brauner Schleier die gesamte Malereioberfläche. Erste Untersuchungen von PCP und Lindan in der Raumluft und den Hölzern im Logenhaus erfolgten ab 1995 mit Messergebnissen über den Grenzwerten von 1 μg PCP/m3 Raumluft und 5 mg PCP sowie 1 mg Lindan/kg Feststoff. Es folgten weitere Untersuchungen mit dem Ergebnis, dass 1996/97 Sanierungsmaßnahmen für den Schutz der Besucher und Mitarbeiter des Hauses durchgeführt wurden. Nach Abschluss der Maßnahmen erfolgte 1997 die Freimessung mit den maximalen Werten von 0,32 μg PCP/m3 Raumluft. Das Gutachten bescheinigt die Unbedenklichkeit für Besucher und Mitarbeiter.

Ab 1970 erfolgte der Einbau einer Klimaanlage die zu erheblichen Veränderung der Raumfeuchte und in der Folge zu Veränderungen an den Hölzern und Schäden an der Malerei geführt hat. Trotz mehrfacher Modifikation der Regeltechnik waren großflächige Malereilockerungen entstanden, so dass ab 1979/80 umfangreiche Konservierungsmaßnahmen durchgeführt werden mussten. Gefestigt wurde mit der wässrigen Acrylharzdispersion Acronal 500 D; Retuschen erfolgten mit Pigmenten, gebunden in Caparol (vermutlich ebenfalls als Acrylharzdispersion).

Nach erneuten Lockerungen der Malerei begann ab 1998 eine Untersuchung und Langzeitdokumentation (monitoring) des Logenhauses unter besonderer Berücksichtigung der raumklimatischen Veränderungen und deren Folgen für die Stabilität der Malerei. Die Studie schließt 2002 u. a. mit der Empfehlung ab, die Nutzung des Opernhauses insbesondere während der Heizperiode einzuschränken, wenn möglich zu unterlassen. In den Folgejahren beginnt die Planung für die jetzt anstehend umfassende Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahme.

Vorbereitende Untersuchungen, Konzept und Musterachse

2009 begannen die restauratorischen Untersuchungen an den Konstruktionen und der Malerei des Logenhauses. Daraus entwickelte sich das jetzige Konservierungskonzept. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Überarbeitungsmaterialien von 1936 aber auch die Festigungsmittel der Maßnahmen aus den Jahren 1979/80 im Zusammenhang mit den Schwankungen der relativen Feuchte zu den Lockerungen an der Malerei führen. Unberührte Flächen der barocken Malerei sind mit Ausnahme von Mordantpunkten nur an wenigen Stellen gelockert. Die Übermalungen und synthetischen Konservierungsmaterialien werden daher abgenommen. Nach der Abnahme der Übermalungen kann an der Fläche der Musterachse (Logenhaus Nordseite, gegenüber der Trompeterloge) nachgewiesen werden, dass etwa 7% der barocken Malerei verloren und ca. 7% der Malerei mechanisch beschädigt und von Gebrauchsspuren gekennzeichnet sind. Der Umfang der Übermalungen von 1936 beträgt dagegen ca. 40% der Gesamtfläche. Die Zahlen wurden an Hand einer digitalen Kartierung ermittelt. Mit zurückhaltender Retusche kann ein geschlossener, dem Alter und der Geschichte des Theaters angemessener Gesamteindruck im Logenhaus erreicht werden.

Zusammenfassende Beschreibung der Konservierungstechniken

Demontage von Elektroleitungen, Beleuchtungskörpern, Platznummerierungen aus Messingschildern, Klebebändern, Türbeschlägen und anderen Zutaten aus den vergangenen Jahrzehnten:

Die in den Logen verlegte Elektrik ist zu Beginn der Maßnahmen vom Netz genommen. Alle Elektrokabel, Verteilerkästen und Beleuchtungskörper an den Pfeilern und in den Logentüren werden demontiert. Klebebänder werden möglichst trocken, bei der Gefahr der Verletzung der Malerei mit Lösemitteln abgenommen. Alle Nagelungen und Verschraubungen der Installationen und Messingbeschilderungen werden ohne Verletzung der Umgebung entfernt. Die Platzbeschilderungen des 19. Jahrhunderts aus bemaltem Formblech werden belassen, Überschmierungen werden abgenommen. Des Weiteren werden Logenunterteilungen und Ringösen für das Einhängen von Absperrkordeln entfernt. Entfernt werden auch alle Magnet- und Schnappverschlüsse an den Logentüren die augenscheinlich aus dem 20. Jahrhundert stammen.

Verleimung gelockerter Holzverbindungen und gebrochener, gesplitterter Hölzer:

Alle Verleimungen werden mit Hasenhautleim in festgelegten Konzentrationen ausgeführt. Flächen gelöster Verleimungen werden vor der Neuverleimung perfekt gesäubert. Bei der Anwendung von Druck dürfen keine Druckstellen in der Malerei, den Fassungen und dem Bildträger entstehen.

Holzergänzungen:

Holzergänzungen sind in erster Linie an Ausstemmungen erforderlich, die für die Anbringung von Beleuchtungskörpern und Türbeschlägen ausgeführt wurden. Die Ergänzungen werden aus abgelagertem Fichtenholz, exakt entsprechend der Größe der Beschädigung gefertigt und mit Hautleim eingeleimt. Die Oberflächen der eingeleimten Hölzer werden exakt auf die Ebene der umgebenen Flächen verputzt, ohne die umliegenden Malschichten zu beschädigen.

Schwundrisse in den Brettkonstruktionen werden nur in Ausnahmefällen geschlossen. Eventuell werden geöffnete Konstruktionsfugen an den Brüstungen der Ränge rückseitig abgedeckt.

Festigung gelockerter Malerei und Fassungen:

Die Festigung gelockerter Malerei und Fassungen erfolgt mit Hausenblasenleim in festgelegten Konzentrationen, vereinzelt mit der Veränderung der Viskosität durch den Zusatz von Stärkekleister oder Algen (Funori). Das Eindringverhalten der Leimlösung wird über Wärme gesteuert. Überschüsse der Festigungsmittel werden unverzüglich von den Oberflächen abgenommen. Das Niederlegen aufstehender Malschichtschollen erfolgt mit geeigneten Zwischenlagen und Wärme. Die Oberflächenstrukturen der Malerei dürfen dabei nicht verändert werden. Die Festigung gelockerter Malerei war an der Musterachse unproblematisch. Differenzierter und langwieriger gestaltete sich die Festigung gelockerter Fassungen an der Skulpturengruppe auf der Trompeterloge. Hier sind Festigungs- und Überzugsmaterialien früherer Maßnahmen unter die gelockerten Fassungsschollen eingedrungen. Sie sind nur schwer löslich und beeinträchtigen das Eindringen der Festigungslösung und die Adhäsion der Malschichtschollen mit ihrem Träger.

Abnahme der synthetischen Konservierungsmaterialien von 1979/80:

Die Abnahme der synthetischen Materialien auf der Malerei erfolgt mit Etrhylacetat. Als Träger für das Lösemittel und die gelösten Materialien werden verschiedene Schwämme verwendet. Dabei wird grundsätzlich mit Handschuhen gearbeitet. Die Anwendung von Watte ist die Ausnahme, da die Wattestruktur und die Kleinteiligkeit der Wattestäbchen sehr schnell zu Abrieben der Malereioberfläche führen. Auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit hat sich die Verwendung von Schwämmen bewährt. Die Schwämme werden nach ihrer Verwendung in zugelassenen Behältern gesammelt und über eine Entsorgungsfirma fachgerecht entsorgt.

Abnahme kaseingebundener und weiterer Übermalungen:

Die Abnahme der Kaseinübermalungen erfolgt mit gleicher Arbeitstechnik, jedoch mit anderen Lösemitteln und deren Kombinationen. Bei der Bearbeitung der Musterfläche wurden folgende Lösemittel verwendet: Ethylacetat, Isopropanol, Ethanol, Ammoniak 25%ig und Wasser. Es wird davon ausgegangen, dass die Palette der angegebenen Lösemittel für alle zu bearbeitenden Malereiflächen des Opernhauses verwendet werden kann und nicht erweitert werden muss. Die Arbeitstechnik ist vergleichbar mit der bei der Abnahme synthetischer Materialien. Auch hier kommen je nach angetroffener Situation unterschiedliche Schwammqualitäten zum Einsatz. Die Schwämme werden dabei mit den Lösemittelmischungen benetzt und auf die zu bearbeitende Oberfläche gedrückt. Durch den mehrfach wiederholten Pump- und Saugeffekt werden die gelösten Überarbeitungsmaterialien und der Lösemittelüberschuss in der Schwammstruktur aufgenommen.

Abnahme der Holzschutzmittelreste und Verschmutzungen von der Oberfläche der barocken Malerei:

Die Abnahme erfolgt mit unterschiedlichen Mischungen der oben angegebenen Lösemittel, ausschließlich über Schwämme. Der Grad der Abnahme von Holzschutzmitteln und Verschmutzungen von Oberflächen der erhaltenen barocken Malerei ist abhängig vom Zustand und dem Farbcharakter der angrenzenden freigelegten Stellen. Die Abnahme der Holzschutzmittelreste erfolgt daher grundsätzlich am Ende der Bearbeitung eines festgelegten Flächenabschnitts. Bei der Abnahme der Holzschutzmittelreste und Verschmutzungen besteht die Gefahr, die Verunreinigungen so weit zu reduzieren, dass ein farbliches Ungleichgewicht zwischen den ehemals übermalten und den nie übermalten Flächen des Logenhauses entsteht. Die Abnahme der Holzschutzmittelreste und Verunreinigungen erfolgt daher grundsätzlich in enger Abstimmung und sorgfältiger Abwägung mit allen an der Maßnahme beteiligten Restauratoren und den Auftraggebern.

Gewebereparaturen:

Zu den Gewebereparaturen gehört die Abnahme einer Vielzahl von Gewebeflicken die im Zuge früherer Maßnahmen mit tierischen Leimen auf die Malereioberflächen geklebt wurden. Meist liegen unter den Flicken Geweberisse von ein oder zwei Fäden. Die Abnahme der Überklebungen erfolgt über Anquellen der tierischen Leime mit Wasser. Die Leimreste werden so weit wie möglich entfernt. Die Reparatur der gerissenen Fäden erfolgt überwiegend mit der Technik der Einzelfadenverklebung. Bei statisch belasteten Geweberissen wird stellenweise mit Gewebehinterlegungen vernäht, fehlende Gewebeteile werden durch Intarsien ersetzt. Grundsätzlich ist bei den Gewebereparaturen darauf zu achten, dass die Struktur der umgebenden Leinwand in die Reparatur mit aufgenommen und Klebstoffverdichtungen an den zu verklebenden Fadenenden vermieden werden. Für die Verklebung wird überwiegend ein Bindemittel aus 20%igem Hausenblasenleim mit 13%igem Stärkekleister im Mischungsverhältnis 1:1 verwendet. In begründeten Ausnahmen kann Polyvinylacetat verwendet werden.

Ausgerissene Nagellöcher:

Geweberisse an Nagellöcher sind überwiegend an den Knicken der Winkelkonstruktionen der Decke entstanden. Teilweise ist die Umgebung dieser Stellen mit Beilagscheiben und Verschraubungen gesichert. Die alten Sicherungen werden entfernt und durch neue Sicherungen an der Position der ursprünglichen Nagelung ersetzt. Zur Überbrückung der ausgerissenen Gewebestellen werden mit Watte gefüllte Seidenbänder unterlegt. Sie übernehmen die Funktion der Beilagscheiben, jedoch am ursprünglichen Befestigungspunkt und verteilen den Zug der Leinwand auf die gesamte Winkelfläche. Die Leinwand kann sich damit entsprechend ihrer ursprünglichen Befestigung aushängen und bewegen.

Alten Gewebereparaturen und Ergänzungen:

Die Entscheidung, welche Textilüberklebungen und Ergänzungen belassen oder abgenommen werden, obliegt der restauratorischen Fachbauleitung. Die überwiegende Zahl der Überklebungen wird abgenommen, da die verwendeten Leime meist sehr spannungsreich sind und die darunterliegende Malerei gefährden. Größere, handwerklich vertretbar durchgeführte Gewebeergänzungen werden belassen. An der Logenhausdecke sind mehrere Stellen anzutreffen, an den die Leinwand bei früheren Maßnahmen mit der Unterkonstruktion verklebt wurde. Meist entstanden dadurch Bauchungen, Wellen und Knicke im Gewebe und der Malerei. Die Verklebungen sollen vom Holz getrennt, die Deformationen reduziert werden. Die Trennung des verklebten Gewebes war an der Musterachse unter Verwendung von Sonden zu erreichen, die in offene Kreuzpunkte der Leinwand eingeführt und leicht gezogen wurden. Der angetroffene Leim war so spröde, dass die Trennung möglich war. Die anschließende Bearbeitung der Deformationen erfolgt je nach Situation über die Anwendung von kaltem Wassernebel, Wasserdampf und Wärme.

In allen Rängen sind die Holzfugen zwischen den senkrechten Wandflächen und den Logendecken mit Gewebestreifen abgedeckt. Diese Abdeckung stammt sicher nicht aus der Erbauungszeit des Opernhauses, wird aber aus pragmatischen Gründen belassen. Die Abnahme hätte zur Folge dass Verunreinigungen aus den Wandkonstruktionen laufend aus den Fugen rieseln. Mit der Abnahme der Übermalungen stellt sich auf dem Gewebe eine Oberfläche ein, die sich mit wenig Retusche in das Umfeld einbinden lässt.

Kittungen:

Auf die Ausführung von Kittungen kann in den meisten Situationen verzichtet werden. Eventuell ist bei Gewebeintarsien nach einer Vorleimung der Auftrag einer Schlämme erforderlich. Als Kittmaterial käme Champagnerkreide, gebunden mit Hausenblasenleim in Frage.

Retusche:

Die Retusche von Malereiausbrüchen und Abrieben erfolgt mit einer festgelegten Pigmentpalette, gebunden in Mowilit 20 in dünner Strichtechnik ohne flächige Unterlegung. Die Dichte der Retusche ist abhängig vom Betrachterabstand und muss sehr differenziert abgewogen werden. Sie fällt besonders in den Logen sehr viel dichter aus als beispielsweise an der Decke oder den Wandflächen im 4. Rang. Ziel der Retusche ist die Gewinnung einer geschlossenen, gepflegten Erscheinung der Malerei im gesamten Logenhaus ohne Auflösung des Charakters und der Lebendigkeit der gealterten und durch Nutzung gezeichneten Oberflächen.

Rekonstruktionen:

Im Parkett des Logenhauses sind an den Wandflächen Rekonstruktionen / Interpretationen der ursprünglichen Marmorierung erforderlich. Sie wurde 1936 weitgehend reduziert und vollständig übermalt. Freilegungsproben zeigen, dass nur mehr wenige Reste erhalten Sind. Orientierung für den ursprünglichen Charakter der Marmorimitation geben die erhaltenen, wenn auch stark überarbeiteten Marmorierungen in den beiden Konchen der Fürstenloge. Die Arbeitstechnik für die Rekonstruktionen ist noch nicht festgelegt.

Dokumentation:

Der Schwerpunkt der Dokumentation liegt auf der Kartierung der kunsttechnologischen Befunde, sowie der unterschiedlichen Zustände des Bildträgers und der Malerei. Die exakte Kartierung erfolgt mit festgelegten Symbolen, Farbigkeiten und Strukturen auf SW-Drucken der Fotografien der einzelnen Flächen im Maßstab 1:20. Kunsttechnologische Beobachtungen und Zustandsphänomene die als Besonderheit im Logenhaus anzusehen sind werden darüber hinaus im freien Text beschrieben und fotografisch erfasst. Die schriftliche, grafische und fotografische Dokumentation wird von allen beteiligten Restauratoren nach exakten Vorgaben systematisch ausgeführt. Die händisch ausgeführte grafische Dokumentation, Einzeltexte und darauf bezogene Aufnahmen werden während der laufenden Maßnahmen in ein digitales Dokumentationssystem übertragen. Die Führung der digitalen Dokumentation liegt bei der restauratorischen Projektleitung.